Die Geschichte des Transportbetons

Der Heidelberger Portländer Beiträge zur Unternehmensgeschichte und Unternehmenskultur, Heft 9

Die Geschichte des Transportbetons
Der Weg von den Pionieren zu Heidelberger Beton

[hrsg. von der HeidelbergCement AG]
Dietmar Cramer, Daniela Hesse - Heidelberg
Copyright ©2013 HeidelbergCement AG
Berliner Straße 6, 69120 Heidelberg

Titelfoto: Fahrmischer der Josef Vögele AG in Mannheim, 1934.
Entwurf und Realisation: ServiceDesign Werbeagentur GmbH, Heidelberg

Der Weg von den Pionieren zu Heidelberger Beton

„Mörtel oder Beton als einbaufähiges Material auf die Baustelle zu bringen, dürfte zweifellos einen großen Vorteil darstellen.“ Diese Vision formulierte der britische Ingenieur Deacon bereits im Jahr 1872. Der neue Portlandzement brachte die wesentlichen Voraussetzungen für die Realisierung dieser Idee mit. Die beim Transport auftretenden Probleme, wie Entmischung, Ansteifen oder ungenügende Transportkapazitäten, waren jedoch zunächst nicht zu beherrschen.

Auf den Baustellen standen deshalb überwiegend zentrale Mischanlagen von denen aus der Frischbeton transportiert wurde. Insbesondere bei Großbaustellen wurden Materialmassen verarbeitet. Der Bedarf an Lagerraum und Arbeitskräften war enorm. Bei großer Hitze oder Kälte konnten Zement und Zuschlagstoffe kaum fachgerecht gelagert werden.

Die Anfänge des Geschäfts mit Transportbeton

Jürgen Hinrich Magens gelang es schließlich, ein direkt für den Einbau geeignetes Gemisch aus Kies, Sand, Zement und Wasser auf die Baustelle zu liefern. 1903 erhielt er das Patent für seine Idee, das „Verfahren, fertigen Zementbeton ohne Beeinträchtigung seiner Bindefähigkeit aufzubewahren“. Der Transportbeton war geboren.

Im Jahr 1907 erhielt er ein Zusatzpatent auf eine Rüttelbewegung, durch die der Abbindevorgang weiter verzögert werden konnte und die gleichzeitig höhere Festigkeiten brachte. Dennoch fand der Transportbeton in Europa zunächst kaum Abnehmer und wurde nur in Spezialfällen eingesetzt. In den USA erlangte er dagegen ab Mitte der 1920er Jahre eine große Bedeutung. Insbesondere erdfeuchte Betone wurden in großen Mengen transportiert. Dabei entstand auch ein Markt für Spezialfahrzeughersteller. In Deutschland gehörten die Fahrzeugbauer Vögele aus Mannheim und Kaiser aus Oberlahnstein zu den Pionieren. In den 1930er Jahren wurde Transportbeton bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges häufiger eingesetzt.

Der Transportbetonmarkt in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es mehrere Jahre bis sich die großen Zementhersteller auf den Transportbeton einließen. Pionierarbeit leisteten das Mörtelwerk Colonia in Köln und die Baustoffgroßhandlung Jakob Trefz & Söhne in Stuttgart im Verbund mit Fahrzeugherstellern. Als ab 1955 die englische Ready Mix Concrete Ltd sich massiv auf dem deutschen Markt ausbreitete, war die Zementbranche alarmiert. Im Jahr 1957 beteiligte sich Heidelberger Zement an der Betonliefergesellschaft in München, der ersten Transportbetongesellschaft in Bayern.

Im Laufe der 1950er Jahre versuchte man, neue Methoden zu entwickeln, um das vorzeitige Abbinden des Betons zu verhindern. Durch chemische Betonzusatzmittel wurden beachtliche Verbesserungen der Betoneigenschaften erreicht, die in der Summe zu einer höheren Festigkeit führten. Eine weitere Triebfeder für die Verwendung von Transportbeton waren aber auch die veränderten Bedingungen des Arbeitsmarktes. In Folge der Vollbeschäftigung verknappten und verteuerten sich die Arbeitskräfte, so dass die Handarbeit auch in der Betonaufbereitung zurück ging.

Mit der Übernahme der Münchner Firma Vulkan und weiteren Firmen, wie der FLB Lieferbeton Frankfurt/Main, der TBG Lieferbeton Karlsruhe sowie der Firma Südbeton in Stuttgart entstand 1959 die Heidelberger Beton GmbH. Im Jahr 1960 organisierte sich die Branche im Bundesverband der Deutschen Transportbetonindustrie e.V. (BTB).

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Die Geschichte des Transportbetons. Der Weg von den Pionieren zu Heidelberger Beton
Der Weg von den Pionieren zu Heidelberger Beton

Weitere Publikationen

Steinbrucharbeiter, ca. 1880. Steinbrucharbeiter am Eingang zum Steinbruch. Im Vordergrund Steinbruchaufseher Jakob
Emmerenziani (seit 1874 bei Lothary), ca. 1880.

„Die Geschichte des Zementwerks Mainz-Weisenau“

Von Lothary zum Mannheimer und Heidelberger Zweigwerk
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